Berichte von Freiwilligen
Mein Freiwilligendienst im Rettungsdienst
Freiwilligendienst im Rettungsdienst: Ströme von Blut, schwere Autounfälle und jeden Tag nervenaufreibende Blaulichtfahrten. So stellt man sich eventuell den kommenden Alltag als Freiwilliger vor. Zum Teil trifft das zu, aber ein Freiwilligendienst im Rettungsdienst ist wesentlich mehr.
Dem Freiwilligendienst im Rettungsdienst geht die Ausbildung zum Rettungssanitäter voraus. Dort lernt man innerhalb von 3 Monaten die Grundlagen der Notfallmedizin und den Umgang mit teilweise stark beeinträchtigten Patienten (Intensivstation / OP).
Dann, das erste Mal geht der Melder auf, man fährt nicht mehr als Praktikant mit, sondern gehört zur regulären Besatzung: Der erste Arbeitstag im Freiwilligendienst.
Auch wenn man am Anfang bei dem Begriff "internistische Einweisung" den schlimmsten Notfall erwartet, werden diese Befürchtungen eher selten bestätigt. Gleichermaßen entpuppen sich die "harmlos" gemeldeten Einsätze als bedrohliche Situationen. Dabei ist es wichtig sich vor Ort immer selbst ein Bild vom (Notfall-) Geschehen zu machen.
Man sollte neben großem Verantwortungsbewusstsein, Einfühlungsvermögen, fachlichem Verständnis und Teamfähigkeit auch ein gewisses Talent zur Improvisation mitbringen - denn so gut wie nie läuft alles wie geplant...

Mein Freiwilligendienst in einer Ganztagsschule
Freiwilligendienst… Was ist das? Was mache ich da und wo kann ich das machen?!
Diese Frage stellte ich mir auch!
Mein Name ist Carina und ich bin 20 Jahre alt. Nach dem ich mein Abitur abgeschlossen hatte wollte ich nicht direkt ins Studium übergehen, sondern erst mal einen Einblick ins Berufsleben bekommen. Ich habe lange überlegt, was ich machen könnte, bis ich von Bekannten den Tipp bekam ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren. Zuerst wusste ich gar nicht was man da macht und wo man sich dafür bewirbt. Deshalb schaute ich mich im Internet um und habe viele Informationen über die verschiedenen Einsatzstellen gefunden. Dabei wurde mir klar, dass es etwas mit Kindern sein sollte, da ich sehr gerne mit Kindern arbeite und auch selber schon seit mehreren Jahren Turnstunden halte.
Entschieden habe ich mich für die Arbeit an einer Grundschule und fand durch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) eine in meiner Nähe. Nach einem Probearbeitstag bekam ich schnell eine Zusage. Die Grundschule, an der ich arbeite liegt in einem Brennpunkt und wird von vielen Kindern aus sozial schwachen Familienverhältnissen besucht. Nicht immer ist der Umgang und die Arbeit mit dieser Schülergruppe einfach zu bewältigen. Hier helfen mir Erfahrungen, die ich mit der Zeit sammeln konnte, sowie die Tipps der Kollegen dabei, auftretende Konfliktsituationen zu meistern. Am Anfang wusste ich gar nicht, was man als Freiwilliger an einer Grundschule so zu tun hat und stellte mir die Frage, ob es mit der Zeit vielleicht nicht langweilig wird. Diese Frage war schnell vergessen, als ich die erste Woche hinter mich gebracht hatte.
Mein Tages- bzw. Wochenplan sieht folgendermaßen aus:
An drei Tagen beginnt mein Arbeitstag um 7.40 Uhr mit Frühstücksvorbereitungen für Kinder, die zu Hause nicht frühstücken. Die anderen Tage beginnen um 8.00 Uhr mit dem Unterrichtsbeginn. In der Zeit von 8.00 – 13.00 Uhr bin ich meistens bei den vierten Klassen im Unterricht dabei und übernehme kleine Lehrertätigkeiten, wie z.B. Hausaufgaben nachschauen; während Stillarbeiten oder Gruppenarbeiten durch die Klasse gehen um eventuelle Fragen der Schüler zu klären.; auch den etwas schwächeren Schülern auf die Sprünge zu helfen, damit sie die Aufgaben lösen können. Beim Sport- oder Schwimmunterricht führe ich zusammen mit den Lehrern Aufsicht. In den Pausen habe ich auch mal Hofaufsicht, damit ich auch mal mitbekomme, was sich in den Pausen so alles abspielt und da es auch zu den Tätigkeiten eines Lehrers zählt. Von 13.00 – 14.00 Uhr hab ich Mittagspause in der ich, wenn ich will, auch in der Schule mitessen kann. Wenn die Pause um ist, bin ich bis 15.00 Uhr bei den zweiten Klassen und mache Hausaufgabenbetreuung. Da hab ich meine eigene kleine Gruppe, die aus vier Kindern besteht, die etwas mehr Unterstützung bei den Hausaufgaben benötigen. In der Zeit von 15.00 – 16.00 Uhr ist für die ersten und zweiten Klassen Spielzeit, die je nach Wetterlage entweder im Schulgebäude oder auf dem Hof stattfindet. Die dritten und vierten Klassen haben zur gleichen Zeit AGs. Manchmal bin ich mit in den AGs und manchmal auch als Aufsicht der ersten und zweiten Klassen tätig. Dienstags hab ich mit einem anderen FSJler zusammen eine eigene Hockey-AG, in der wir verantwortlich sind für die Planung der Stunde. Dies bereitet uns sehr viel Spaß, vor allem wenn ich sehe, wie die Kinder mit Spaß dabei sind und von Mal zu Mal bessere Leistungen erbringen. Was mir auch sehr gut gefällt ist die Aufsicht bei Wettkämpfen, Ausflügen und Klassenfahrten. Ich war z. B. schon mit auf Schwimm- und Geräteturnwettkämpfen, habe die vierten Klassen bei der Klassenfahrt besucht und war bei Ausflügen zur Feuerwehr und Kläranlage dabei. Auch an Schulübernachtungen und Schulfesten habe ich mich in Organisation und Durchführung beteiligt.
Außerdem leite ich in der Schule ein eigenes Projekt. Meine Aufgabe ist es, die Schulbücherei zu führen. Dort können sich die Kinder der zweiten, dritten und vierten Klassen Bücher ausleihen. Dabei stellte ich mit den Kindern der Bücherei- AG Regeln auf und machte Pläne, über die Ausleihzeiten der verschiedenen Klassen. Zu meinen Aufgaben gehört auch, darauf zu achten, ob alle entliehenen Bücher wieder zurückkommen. Hinzu kommen noch andere Kleinigkeiten und allerlei Papierkram.
Zum Freiwilligendienst gehören aber auch noch 25 Seminartage, die sehr schön sind. Im Rahmen der Seminare kann man sich mit anderen Freiwilligen über deren Tätigkeiten und Aufgaben austauschen. Außerdem finde ich es sehr gut, dass die Themen immer von der Gruppe gewählt werden und dabei sowohl Theorie und Praxis mit einander verbunden werden.
Ich bereue nicht, dass ich mich dafür entschieden habe und würde es auch jedem empfehlen, der auch erst mal einen Einblick ins Berufsleben bekommen möchte. Mir macht es sehr viel Spaß und ich möchte die Zeit nicht missen, denn ich finde einen besseren Einblick in den Beruf „Lehrer“ kann man nicht bekommen! Mich hat es gestärkt an meinem ersten Berufswunsch (Grundschullehrerin), den ich schon als Kind hatte, fest zu halten und ich bewerbe mich zum Wintersemester mit Mathe und Sport auf Grundschulpädagogik. Ich bin sehr froh, dass ich mich dafür entschieden habe, denn man lernt schon sehr viel Nützliches für später, das man in der Theorie im Studium nicht kennenlernt! Am Anfang dachte ich auch, „ man weiß ja was ein Lehrer alles machen muss, da man jahrelang zur Schule ging und es gesehen hat, aber ich musste feststellen, dass es etwas ganz anderes ist plötzlich vor der Klasse zu stehen als drin zu sitzen!“
Mein Freiwilligendienst in der Kinder- und Jugendhilfe
Seit dem 15. August 2008 absolviere ich mein FSJ in der AGFJ (Agentur zur Förderung von Kindern und Jugendlichen) in Herxheim in der Pfalz. Dies ist eine Kinder- und Jugendhilfe, die eng mit dem Jugendamt zusammenarbeitet. In dieser Einrichtung habe ich verschiedene abwechslungsreiche Tätigkeiten übernommen.
Zu Beginn meines Tages (der glücklicherweise meist erst zwischen 9 und 10 Uhr beginnt) komme ich ins Büro und treffe mich dort mit meinen Kollegen. Dort wird erstmal gemütlich ein Kaffee getrunken. Danach gehe ich meinen Tätigkeiten nach. Dies könnte zum einen meine Arbeit in verschiedenen Gruppen sein. Dort koche ich zunächst für die Kinder und helfe danach bei den Hausaufgaben. Wenn dies erledigt ist, machen wir einen Ausflug (Go-Kart fahren, Eis essen gehen, Spielplatz ...), je nach Alter der Kinder. Andere Arbeiten, die ich übernehme sind folgende: Fahrdienste, Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe, Babysitten, Kinderbetreuung und Familien unterstützen. Aber das Beste und Anstrengendste an meinem FSJ steht mir noch bevor. Im Sommer darf ich mit ungefähr 20 Kindern und Jugendlichen auf eine Freizeit nach Italien fahren.
Im Allgemeinen kann ich sagen, dass dieses FSJ eine tolle Erfahrung ist, die mich selbstbewusster und selbstsicherer gemacht hat und die ich auf keinen Fall bereue.
Mein Freiwilligendienst in der Behindertenhilfe
Mein Arbeitstag in der Behindertenwerkstatt beginnt um 7:45 Uhr im schönen DRK-Sozialwerk in Bernkastel-Kues. Nachdem wir die Leute, vor allem die Rollstuhlfahrern, von den Bussen abgeholt haben, gehen zum Arbeitsbeginn um 8:00 Uhr alle in ihre Gruppen. In diesen angekommen wird die am Vortag produzierte Ware zur Abholung bereitgestellt. Falls neue Aufträge vorliegen, werden sie an die anwesenden körperlich oder geistig beeinträchtigten Mitarbeiter verteilt. Ist keine Arbeit da, werden die Mitarbeiter anderweitig beschäftigt, zum Beispiel durch Spielen, Basteln oder Spazieren gehen. Um 9:30 Uhr gibt es eine viertelstündige Frühstückspause, meistens werden die Rollstuhlfahrer schon wenige Minuten vorher herausgefahren, sodass kein Gedränge auf den Fluren entsteht. Nach der Pause wird weitergearbeitet, bzw. einer anderen Beschäftigung nachgegangen. Um 11:30 Uhr gehen die Ersten zum Essen. Den Mitarbeitern, die Hilfe benötigen, bringe ich das Essen, helfe ihnen, räume für sie ab und säubere ihre Schürzen nach der Mahlzeit. Danach ist bis 13 Uhr Mittagspause. In der Pause habe ich meistens 30 Minuten Aufsicht, diese ist unter anderem auf dem Hof, am See oder im Gebäude. Nach der Mittagspause werden Medikamente ausgegeben und dann geht's wieder an die Arbeit. Um 14:30 Uhr ist noch mal 15 Minuten Kaffeepause. Da wir eine Entlastungsgruppe sind, wird nach der Pause kaum noch gearbeitet, sondern zur Entspannung der Mitarbeiter eher gespielt oder gefeiert, wenn z.B. jemand Geburtstag hat. Um 15:30 Uhr werden die ersten Mitarbeiter für die Fahrt nach Hause fertig gemacht und nach draußen gebracht. um 15:50 Uhr darf der Rest der Gruppe seine Sachen holen und auch nach draußen gehen. Um 16:00 ist mein Arbeitstag zu Ende und ich mache mich auf den Heimweg.

Mein Freiwilligendienst bei Aktion Tagwerk
Morgens um 8 Uhr beginnt mein Arbeitstag im Bundesbüro der Aktion Tagwerk in Mainz. Bei der gemütlichen Tasse Kaffee checke ich meinen E-Mail-Posteingang und koordiniere meine täglichen Aufgaben, wobei mir meine Wiedervorlagemappe und zahlreiche Klebezettel sehr hilfreich sind.
Insbesondere der Vormittag ist für uns FSJ'ler nun die Zeit, in der unsere Hauptaufgaben die Kommunikation mit Schulen und Lehrern ist.
So wird also viel telefoniert, um entweder neue Schulen zu gewinnen oder den Ansprechpartnern der teilnehmenden Schulen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die zweite Tageshälfte dagegen besteht vor allem aus dem Versand unserer Materialien und der Erarbeitung neuer Konzepte, um die Kampagne bekannter zu machen, Schulen und Lehrer von der guten Sache zu überzeugen und den Kindern und Jugendlichen für die Situation Afrikas die Augen zu öffnen.
Aber was ist „Aktion Tagwerk“ überhaupt?
Aktion Tagwerk e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der seit 2003 jedes Jahr die bundesweite Kampagne „Dein Tag für Afrika“ durchführt. Dabei legen Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland für einen Tag im Jahr die Schulsachen beiseite und engagieren sich für Gleichaltrige in Afrika. Sie gehen für einen Tag in Betriebe oder erledigen Hilfsarbeiten bei Freunden und Verwandten für einen angemessenen oder gerne auch mal höher ausfallenden Lohn, veranstalten Solidaritätsmärsche oder überlegen sich andere Aktionen im Klassenverband. Von den daraus gewonnenen Geldern werden Kinder- und Jugendbildungsprojekte in den fünf afrikanischen Ländern Ruanda, Burundi, Angola, Südafrika und dem Sudan finanziert. Mit Hilfe der Mainzer Kinderhilfsorganisation Human Help Network, aus der im Jahr 2002 Aktion Tagwerk entstanden ist, den Salesianern Don Boscos und –in Burundi- der Foundation Stamm, versuchen wir damit vor Ort in Afrika Kindern und Jugendlichen, die aus den ärmlichsten Verhältnissen kommen, eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Das Spektrum reicht von Schulenneubau und –renovierungen über Landwirtschaftsprojekte, Straßenkinderheimen, Berufsbildungszentren und medizinischen Versorgungsstationen bis zu AIDS-Präventionsprogrammen.
Etwas ganz Besonderes was denjenigen zuteil wird, die ihr freiwilliges soziales Jahr bei Aktion Tagwerk verrichten, ist die Projektreise die jedes Jahr im Herbst ansteht. Das Ziel ist Ruanda - das immergrüne „Pays de Mille Collines“ (Land der tausend Hügel) im Herzen Afrikas. So können sich die Jugendlichen ein eigenes Bild des Partnerlandes von Rheinland-Pfalz machen und sich die unterstützten Projekte vor Ort mit eigenen Augen betrachten. Eine unvergleichliche Lebenserfahrung und eine ungeheure Motivation für das alltägliche Arbeiten ist diese Reise zudem allemal.
Auf der Basis dieser Erfahrungen fahren die Freiwilligen in der zweiten Jahreshälfte des FSJ auf die so genannte „Infomobiltour“, im Zuge derer Schulen in ganz Deutschland besucht werden und den Schülerrinnen und Schülern der teilnehmenden Schulen anhand der Präsentation eines Schwerpunktprojektlandes die Umstände des afrikanischen Kontinents und das Leben der Menschen dort nähergebracht und die Kinder und Jugendlichen so für Problematik Afrika sensibilisiert werden sollen.
Alles in allem ist dieses freiwillige soziale Jahr bei Aktion Tagwerk eine Erfahrung die man jedem, der sich für fremde Kulturen und speziell den Kontinent Afrika begeistern lässt, nur ans Herz legen kann. Wie in allen anderen Einsatzstellen auch steht der soziale Gedanke natürlich im Vordergrund, auch wenn die Zielgruppe derer, denen geholfen wird, eine ganz andere ist. Doch jeder dem das Schicksal unserer Mitmenschen etwas bedeutet, sollte sich im Klaren darüber sein, dass in dieser Welt, die sich tagtäglich in einem atemberaubenden Tempo weiterentwickelt, die Solidarität jener, denen es gut geht, denen Wegweiser für den Werdegang der dritten Welt richten wird. Auf das irgendwann in sozialer, politischer wie ökonomischer Hinsicht nur noch von „einer Welt“ gesprochen werden kann. Dazu wollen und werden die Freiwilligen im Tagwerk-Team auch in Zukunft beitragen!


